Start-ups aus dem Libanon auf dem Weg nach Hamm

Wirtschaftsförderer Dr. Steffens setzt auf Zusammenarbeit mit Maria Goeppert-Mayer-Incubator

v.l. Andreas Möllenhoff, Dr. Karl-Georg Steffens, Prof. Dr. Riad Chedid Professor an der AUB (American University Beirut), Erfinder Mohammad Ali Bilal Dandashli, Ayman Chehade, Geschäftführer der Maria Goeppert-Mayer-Inkubator Gesellschaft, Ali Dandashli

Gut ausgebildete libanesische Ingenieure könnten schon bald in Hamm ansässig werden. Dieses Ziel verfolgt Wirtschaftsförderer Dr. Karl-Georg Steffens  und setzt dabei auf die enge  Zusammenarbeit mit dem Maria Goeppert-Mayer-Incubator (MGMI),  der American University Beirut, der Rafik-Hariri-Universität Beirut, sechs weiteren Universitäten sowie der libanesischen Ingenieurkammer. „Idee ist die Start-up-Förderung von Ingenieuren aus dem arabischen Raum, die gute Marktchancen in Deutschland haben. Sie wollen wir für Unternehmensgründungen in Hamm gewinnen“, sagte Steffens heute nach seiner Rückkehr von einem mehrtägigen, intensiven Austausch.

Der Aufbau deutsch-libanesischer Wirtschaftsbeziehungen wird auch von der Bundesregierung aktiv unterstützt. Die Deutsche Botschaft in Beirut hat Steffens in einem Letter of Intent  bescheinigt, dass sie großes Potenzial in der MGMI-Gesellschaft sieht, die sich zur Aufgabe gemacht hat, libanesische Start-ups in Deutschland zu initiieren. „Die Ausbildung libanesischer Akademiker im Ingenieurwesen erfüllt internationale Standards. Auch in Bezug Fachkräftesicherung erwarte ich positive Beiträge aus dieser Kooperation“, sagte Steffens, der auch Geschäftsführer der Innovationszentrum GmbH ist.

Der Wirtschaftsförderer kommt mit ersten konkreten Ansätzen zurück. „Wir haben uns Geschäftsideen von libanesischen Studenten präsentieren lassen, die gute Aussichten auf eine Realisierung in Deutschland haben“, sagte Andreas Möllenhoff,  bei der Wirtschaftsförderung für Grundsatzfragen und Förderprogramme zuständig und zugleich Prokurist der Innovationszentrum GmbH. Er hatte Steffens  nach Beirut begleitet, auch weil libanesische Start-ups künftig im neuen Hammer Innovationszentrum an der Marker Allee ihr Domizil finden sollen. Vorgestellt wurde beispielsweise die Geschäftsidee des erst 17-jährigen Erfinders Mohammad Ali Bilal Dandashli. Sein Ziel ist die bestmögliche Sicherheit von Start- und Landebahnen, damit sich solche Unglücke wie der Concord-Absturz am 25. Juli 2000, bei dem alle 109 Insassen ums Leben kamen, nicht wiederholen. Die Untersuchungen der Unglücksursachen ergaben, dass die Maschine durch auf der Startbahn aufgewirbelte Fremdkörper schon bei dem Start beschädigt worden war. Dandashli will ein Produkt entwickeln und in den deutschen Markt bringen, das solche Sicherheitslücken aufspürt und beseitigt.

Ein weiteres Projekt, das Steffens und Möllenhoff in Beirut präsentiert wurde, beschäftigt sich mit einem innovativen Energiespeicherkonzept, das sogar bereits patentiert ist und für das es auch bereits einen Investor gibt. Diese und weitere Geschäftsideen nehmen an einer Ausschreibung der MGMI-Gesellschaft teil. Sie werden aktuell auf ihre Realisierungschancen in Deutschland geprüft. „Erscheinen diese ausreichend, werden sie in Hamm angesiedelt und bringen uns hochqualifizierte Arbeitsplätze“, sagte Steffens. Bis zum Sommer werden nun Businesspläne für diese Projektskizzen entwickelt. „Die Wirtschaftsförderung kümmert sich anschließend um die Ansiedlung in Hamm. Wir bekommen so Unternehmensgründungen nach Hamm, die auch finanziell bereits über die MGMI-Gesellschaft abgesichert sind“, so Steffens. Die Wirtschaftsförderung trete dabei nur als Dienstleister auf.

Wichtig bei dem Libanon-Besuch seien auch die Treffen mit Multiplikatoren aus dem Bereich der beiden Beiruter Hochschulen und der dortigen Ingenieurkammer gewesen. Die Wirtschaftsförderung werde sich auch bei dem vom Bund geförderten Projekt zum Aufbau von Wirtschaftsförderungsstrukturen im Libanon beteiligen, sagte Steffens.

Info:
Maria Gertrude Goeppert-Mayer (1906 bis 1972) ist bis heute die einzige Physiknobelpreisträgerin deutscher Herkunft. Sie wurde 1963 für ihre Entdeckung der nuklearen Schalenstruktur mit der höchsten wissenschaftlichen Auszeichnung gewürdigt. Goeppert-Mayer wurde im heutigen Kattowitz (seinerzeit Oberschlesien) geboren und wanderte nach Amerika aus. Sie starb in San Diego, Kalifornien, im Alter von 65 Jahren. Die In den USA lebende Enkelin von Goeppert-Mayer unterstützt ausdrücklich die Idee des Incubators.