„Lastenrad mit Elektroantrieb kann ein Auto ersetzen“

Die Wirtschaftsförderung Hamm unterstützt das Projekt „Ich entlaste Städte“ des Instituts für Verkehrsforschung am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR).

Die Wirtschaftsförderung Hamm unterstützt das Projekt „Ich entlaste Städte“ des Instituts für Verkehrsforschung am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR). Firmen und öffentliche Einrichtungen im gesamten Bundesgebiet können gegen eine minimale Nutzungspauschale von 1 Euro pro Tag für einen Zeitraum von drei Monaten ein Lastenrad im praktischen Einsatz zu testen. Teilnehmen können Interessenten noch bis Mitte 2019. Je nach den Bedürfnissen kann zwischen etwa 15 verschiedenen Modellen ausgewählt werden. Nähere Informationen und Bewerbungen sind online unter der Adresse www.lastenrad.de möglich.

Herbergsvater des Jugendgästehauses Sylverberg  schafft sich nach dreimonatigem Praxistest eigenes Lastenrad an

 „Solche Räder können ein Auto definitiv ersetzen“, ist sich Carsten Pflug ganz sicher. Der Herbergsvater des Jugendgästehauses Sylverberg weiß sehr genau, wovon er spricht. Gerade hat er für drei Monate ein Lastenfahrrad mit Elektroantrieb vom Institut für Verkehrsforschung am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR) getestet. Er hatte sich im Rahmen einer bundesweit angelegten Studie „Ich entlaste Städte“ als Testpilot zur Verfügung gestellt.

„Das Testrad der Bauart Long John ist grundsätzlich gut“, urteilt Pflug. Das von ihm aus etwas 15 unterschiedlichen Modellen ausgewählte Fahrrad hat einen langen Radstand und vor dem Lenker einen kofferartigen Aufbau. Diese Transportbox nimmt die täglichen Einkäufe auf. Je nachdem wie stark das Jugendgästehaus ausgelastet ist, benötigt der Herbergsvater größere Mengen frische Lebensmittel für die Zubereitung der Mahlzeiten. Im Praxistest zeigten sich auch einige Tücken. Die Transportbox ist relativ hoch. „Das ist unpraktisch, wenn man schwere Dinge zu verladen hat“, sagt Pflug. „Auch lange Gegenstände lassen sich schlecht transportieren.“  Schließlich berichtet Pflug noch vom Eiertransport: „Fahren Sie mal mit mehreren Lagen Eiern in der Transportbox über unsere Radwege. Das rumpelt so sehr, dass nicht immer alle Eier heile ankommen“, berichtet Pflug. Der Grund sind beispielsweise Asphaltaufbrüche durch Baumwurzeln. Auch die vielen Ein- und Ausfahrten – hier sind die Hochbord-Radwege stets abgesenkt, bringen  das lange Lastenrad ganz schön in Schräglage.

Pflug zieht trotzdem ein positives Fazit. Inzwischen hat er sich bereits ein eigenes Lastenrad angeschafft. Die Ladebox auf der Plattform ist kleiner und niedriger. Außerdem hat Pflug ein Modell mit gefederter Vordergabel ausgesucht. „Damit haben die Eier gute Chancen, heil in meiner Küche anzukommen“, so Pflug. Als geübter Schrauber hat der Herbergsvater noch einen Tipp:  Man kann viel Geld sparen, wenn man das Lastenrad „nackt“ kauft und die Aufbauten selbst vornimmt. Sogar den Elektroantrieb und das Akku hat Pflug selbst eingebaut. Das spart unterm Strich einen vierstelligen Betrag.

„Meine Idee hinter dieser Anschaffung ist schon, langfristig ein Auto abzuschaffen“, sagt Pflug. Der Enthusiast gibt aber offen und ehrlich zu, dass er die Großeinkäufe  bei den rund zehn Kilometer entfernt liegenden Großhändlern nicht mit dem Long John erledigt hat. Für ihn gibt es aber einen anderen Grund für die Kaufentscheidung: „So ein Lastenrad ist ein Hingucker. Sie werden überall angesprochen. Außerdem ist ein Lastenrad ideal als Werbefläche.“